FAQ zu JSJ

Antworten und Fragen

Ein Arbeitsbuch von Mary Burmeister heißt „Antworten und Fragen“. Hierbei handelt es sich nicht um eine versehentliche Vertauschung der Worte. Vielmehr drückt sie damit etwas aus, dem wir bei der Beschäftigung mit Jin Shin Jyutsu immer wieder begegnen werden: kaum haben wir die Antwort auf eine Frage erhalten, ergibt sich daraus gleich die nächste Frage. Das erscheint einem zu Beginn vielleicht manchmal beschwerlich. Gleichzeitig ist es der Beginn eines  hochinteressanten und  -wenn man möchte – lebenslangen Studiums.

In diesem Sinne hier der Versuch, auf ein paar Fragen erste Antworten zu geben, aus denen sich aber sicher wieder neue Fragen ergeben werden.



Jin Shin Jyutsu gilt allgemein als eine japanische Harmo­nisierungs- oder Heilkunst. Auch wenn ihr (Wieder-)Entdecker Jiro Murai aus Japan stammt, kann man doch viele Parallelen zu anderen Heil­künsten und Philosophien aus aller Welt entdecken. Das Jin Shin Jyutsu kann daher als eine universelle Heilkunst angesehen werden.


Mit ein wenig Übung hört es sich irgendwann in etwa wie „Dschin Schin Dschiutsu“ an.


Frühere Namen dieser Kunst beinhalteten Begriffe wie Langlebigkeit und Glücklichsein. Später wurde Jin Shin Jyutsu als “die Kunst des Schöpfers durch den mitfühlenden Menschen” übersetzt. Mary Burmeister interpretierte den Begriff als “Die Kunst, mich selbst kennen zu lernen” bzw. “Die Kunst, mir helfen zu lernen”.


Auch wenn der Begriff eines „Schöpfers“ bzw. einer „schöpfenden Energie“ im Jin Shin Jyutsu verwendet wird, so leiten sich daraus keinerlei religiöse Bedingungen ab. Es ist vielmehr so, dass sich in vielen Religionen Prinzipien des Jin Shin Jyutsu wiederfinden, was noch einmal die Universalität dieser Physio-Philosophie unterstreicht. Es ist kein bestimmter Glaube Voraussetzung, um sich mit Jin Shin Jyutsu zu beschäftigen. Ebenso handelt es sich nicht um eine Sekte.


Die Anwendung von Jin Shin Jyutsu beruht auf der in vielen Traditionen verbreiteten An­nahme, dass es eine Form von Energie gibt, die neben Blut und Lymphen durch unseren Körper fließt und ihn ener­getisch ver­sorgt. Die Energie nutzt dafür bestimmte Wege, die z.B. in der Tradi­tio­nellen Chine­sischen Medizin als Meridiane be­zeich­net werden.
Kommt es jetzt aus unterschied­lichen Gründen zu Stauungen und Blockaden auf diesen Wegen, können körperliche und psychische Beschwerden entstehen. Ähnlich wie bei einem Fluss, der durch einen Damm gestaut wird, entstehen auch im Energiefluss bestimm­te Phänomene. Hinter der Blockade fehlt die Energie und verursacht entspre­chende Mangel­erscheinun­gen, vor der Blockade kommt es zur Aufstauung und Über­lastung des Bereichs. Was nun folgt, erscheint einigen zunächst sehr mysteriös, ande­ren zu simpel. Hat man es erst einmal selber erlebt, erscheint es einem nahe liegend und natürlich: durch einfaches Berühren be­stimmter Bereiche am Körper (der sogenannten Sicherheits-Energieschlösser) wird die Energie an den blockierten Stellen wieder zum Fließen – zum Strömen – gebracht. Der Stau kann sich je nach Härte und Ausmaß nach einiger Zeit auf­lösen und die Beschwerden werden weniger.


Die Erfahrung zeigt, dass es wenig gibt, für das man das Strömen nicht wenigstens auspro­bieren könnte. Es gibt zu fast jedem Krankheitsbild oder sonstiger schwieriger Lebenssituation Berichte, dass sich durch das Strömen die Be­schwerden besserten oder die Lage zu­min­dest gelindert werden konnte.
Das bedeutet umgekehrt na­türlich nicht, dass Jin Shin Jyutsu immer und überall und jedem in jeder Situation Heilung oder Linderung bringen kann. Jin Shin Jyutsu bean­sprucht auch nicht, medizinische Behandlungen zu ersetzen. Manchmal kann es aber eine sinnvolle Ergänzung sein.
Die eigentliche Stärke von Jin Shin Jyutsu liegt in der vorbeu­genden, regelmäßigen Anwen­dung – meist als Selbsthilfe, gelegentlich auch unterstützt durch eine Fremdanwendung.
Selbst strömen kann man dann im Stau auf der Autobahn, in der Schlange vor der Super­markt­kasse, auf Ess­zimmertischen in privaten Wohnzimmern oder in orga­nisierten Strömgruppen.
Anwendung findet es aber auch in immer mehr Heil- und Kranken­gymnastikpraxen, im Kran­ken­haus, in der Hospizarbeit, in Altenheimen, in Kindergärten und Schulen, in Gefäng­nissen und bei Tieren.


Eine Sitzung dauert normalerweise ungefähr eine Stunde – bei Säuglingen, Kindern oder sehr geschwächten Menschen ist die Behandlungszeit kürzer. Man liegt bekleidet auf einer Liege, während auf den individuellen Bedarf einer Person abgestimmte Sequenzen gehalten werden. Es wird weder massiert noch Druck ausgeübt, die Muskeln werden nicht gedehnt oder anders bewegt und es kommen auch keine Medikamente oder sonstige Substanzen zum Einsatz. Stattdessen ist es ist eine sanfte Kunst, die ausgeübt wird, indem man die Hände einfach auf bestimmte Körperstellen legt, um so den Fluss der Energie zu harmonisieren. Diese Anwendung nennt man auch „Strömen“. Konkret wird dabei mit 26 „Sicherheits-Energieschlössern“ gearbeitet.


Die Empfindungen, wenn man sich oder andere strömt, sind so vielfältig und zahlreich wie Menschen unterschiedlich sind.
Es fängt damit an, dass man – gerade zu Be­ginn – häufig nichts oder nicht viel spürt. Ein Pulsieren ist später eine vielfache Beobachtung. Mit der Zeit wird man beim Pulsieren Unter­schiede wahrnehmen: Schnelligkeit, Lautstär­ke, Rhythmus, Härte, Regel­mäßigkeit und Qualität variieren. Gelegentlich gibt es auch spe­ziellere Eindrücke: manchmal fühlt sich eine Stelle heiß an, anderswo kalt. Es gibt Taub­heitsgefühle, das Gefühl, an einen Elektrozaun zu fassen oder in einen Amei­senhaufen zu greifen. Man­ches Ertastete erinnert an eingearbeitete Steinplatten, gespannte Drahtseile, zähe Gummibänder, Wattebäu­sche oder auch kugelige Verhär­tungen.
Dies sind nur einige Beispiele von vielen. Ent­scheidend ist, dass es kein „richtig“ oder „falsch“ bzw. „gut“ und „schlecht“ gibt. Es gibt nichts, was man spüren muss. Wichtiger ist das Gefühl von Entspannung und Wohlsein, wenn die Energie wieder ins Fließen kommt. Dies macht sich dann übrigens häufig durch dezentes oder auch laute­res Bauchgurgeln bemerkbar!


Ja, das denken viele, aber nein, es stimmt nicht!
Eine Diskussion über Placebo-Effekte, die genauso die Schulmedizin wie alternative Heilformen betreffen, sei an dieser Stelle gespart. Die Praxis zeigt ganz eindeutig, dass die Wirkung von Jin Shin Jyutsu über Placebo-Effekte hinausgeht, auch wenn dies wissenschaftlich noch schwer nach­zuweisen ist. So sind z.B. die Reaktio­nen auf eine Behandlung bei kleinen Kindern und auch bei Tieren immer wieder ein­drucks­voll zu beobachten, obwohl diese beiden Grup­pen eines „Wunschdenkens“ eher unverdächtig sind.
Es gibt viele Menschen, die dem Strömen zunächst sehr skeptisch gegenüber treten. Doch von denen, die sich dennoch ans Strömen heranwagten, sind nicht wenige positiv überrascht und dann überzeugte Anhänger geworden.


Es ist zu empfehlen, bequeme Kleidung zu tragen und evtl. ein Paar warme Socken mitzunehmen. Vor einer Sitzung sollte man möglichst nur eine leichte Mahlzeit zu sich zu nehmen.


Jeder Mensch begibt sich beim Strömen auf seine eigene Reise. Welche Stationen als erstes erreicht werden und wie schnell dies geht, ist völlig individuell. Regelmäßige Behandlungen und vor allem die konsequente Anwendung von Selbsthilfe sind ein guter Weg, um mit den gewünschten Veränderungen zu beginnen. Der eigentliche Gewinn des Strömens ist, das man etwas erhält, das einen durch das Leben mit seinen Veränderungen begleitet. Dies kann eine wertvolle Hilfe im Akutfall sein und ebenso ein treuer Begleiter in allen Lebenslagen.


Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Abhängig davon, um welches Projekt es sich handelt, wie lange es schon da ist und wie bereit man für Veränderungen ist, wird es die Zeit dauern, die es braucht, um die Blockade aufzulösen.
Die Frequenz und Regelmäßigkeit der Einzelsitzungen ist deswegen sehr unterschiedlich. Manche Menschen genießen es, sich zum regelmäßigen „Auftanken“ z.B. wöchentlich oder monatlich strömen zu lassen. Andere kommen für eine punktuelle Unterstützung zu ein paar Sitzungen. Manchmal ist auch eine Intensivbehandlung mit mehreren Sitzungen innerhalb eines kurzen Zeitraums sinnvoll.


Die Preise variieren nach Region, Erfahrung des Praktikers und weiteren Faktoren. In den allermeisten Fällen liegt der Preis für eine Stunde zwischen 35 und 70 €.


Es gibt einige fundierte und praxistaugliche Bücher zum Jin Shin Jyutsu (s. Mediathek). Sie geben einen ersten Einblick und schnelle Erste-Hilfe-Tipps für den Hausgebrauch.
Wer tiefer einsteigen und mehr über die Hintergründe erfahren möchte, kann bei Jin Shin Jyutsu-Prak­tikern Selbsthilfekurse besuchen. In den insgesamt 3 Kursen lernt man viel über Organ­ströme, Sicherheits-Energieschlösser und „Geheim­nisse“ unserer Hände und Füße. Der Schwerpunkt der Kurse liegt – wie der Name verrät – auf der Selbstan­wen­dung. Dann heißt es: üben, ausprobieren, experimentieren…
Für die Anwendung bei anderen empfiehlt sich im nächsten Schritt der Besuch von 5-Tage-Kursen sowie weiteren Vertiefungskursen, die an verschiedenen Orten in Deutschland angeboten werden. Schauen Sie auch unter Lernen.